Der Holledauer Fidel

Liedertafel Au und der Holledauer Fidel

Der erste Fidel in Au
Eine besondere Zäsur in der Vereinsgeschichte setzte die erstmalige Aufführung des “Holledauer Fidel” im Jahre 1922. Der Komponist Erhard Kutschenreuter - der zeitweise als Lehrer in Rudelzhausen
gewirkt hat - und der Textdichter Franz Josef Scherrer - Zollamtmann aus Passau - waren bei der Premiere am 22. März 1922 anwesend. Weitere Aufführungen folgten am 1. und 6. April. Der Auer “Fidel” war etwa die 170. Aufführung doch sie gehörte nach Meinung des Komponisten “zu den Besten, die er bis dahin mitverfolgt hatte”. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, sodass insgesamt 7 Vorstellungen vor ausverkauftem Haus gezeigt wurden.

Neben regelmäßigen Konzerten brachte die Liedertafel weitere Singspiele zur Aufführung wie z.B. 1925 das Traumspiel “Es war einmal” mit der Musik von Bruno Brenner, 1926 gab es “ Der Goldfisch vom Königsee”, 1927 folgte “Die Winzerprinzessin vom Rhein”, 1928 “Das Dreimäderlhaus” 1929 schließlich “Ein Walzertraum” mit der Musik von Oskar Strauss. Nach den “Goldenen Zwanzigern” brachen auch für die Liedertafel schwierige Zeiten an. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 kam das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Erst am 27. Oktober 1948 erfolgte eine Reaktivierung der Liedertafel. Bei der Generalversammlung am 15. März 1949 zählte die Liedertafel schon wieder 43 aktive und 32 passive Mitglieder. Das erste Konzert nach der Zwangspause fand am 18. Dezember 1949 im Bachwirtsaal statt.

Der zweite Fidel im Jubiläumsjahr 1950
Schließlich schickte sich der Markt Au in der Hallertau an, sein 600-jähriges Bestehen zu feiern. Und was wäre diesem Anlaß im Jahre 1950 angemessener gewesen als das “Nationalepos” der Hallertau. Einmal mehr entschloss sich die Liedertafel zur Aufführung des “Holledauer Fidel”. Ursprünglich geplant waren 5 Aufführungen während der Festwoche vom 11. bis 15. September 1950. Aufgrund der großen Nachfrage mussten weitere 5 Aufführungstermine angesetzt werden. Auch damals wurden “alle Erwartungen bei weitem übertroffen”. Die volle Bewunderung auch der vielen Freisinger, die zu den Aufführungen nach Au gekommen waren, fand die sängerische und darstellerische Leistung der Liedertafel. Der Erfolg des “Fidel” weckte Ansporn und Begeisterung auf Jahre hinaus.

Trotz einer raschen und revolutionären Veränderung in den akustischen und visuellen Medien konnte die Liedertafel auch in jüngster Zeit ihre Leistung immer wieder unter Beweis stellen. Sie ist heute - wie in nahezu 90 Jahren seit ihrer Gründung - eine wichtige gesellschaftliche Institution des Marktes, die durch ihre vielfältigen Aktivitäten das kulturelle Geschehen des Marktes nachhaltig prägt. Die dritte Aufführung des “Holledauer Fidel” in der bisherigen Vereinsgeschichte lieferte dafür den Beweis. “Möge sie den heutigen Zeitgenossen ebensoviel Freuden bereiten, wie die beiden vorangegangenen Einstudierungen!” konnte man in der Hallertauer Zeitung schon vorab lesen.

Der dritte Fidel - ein kulturelles Großereignis
Zu einem weit über die Grenzen der Marktgemeinde hinauswirkenden kulturellem Großereignis entwickelte sich die dritte Einstudierung des Fidel im Jahre 1989. Etwa 8000 Besucher bei insgesamt 17 Aufführungen brachten den Sängern, den Musikern und Schauspielern sowie den sonstigen Beteiligten stehende Ovationen dar. Gewürdigt wurde diese Leistung auch mit der Verleihung des kulturellen Anerkennungspreises durch den Landkreis “für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Chormusik und des Laienspiels im Bereich des Landkreises Freising”. Allen, die dabei sein durften - als Mitwirkende oder Zuschauer - wird dieses Ereignis unvergeßlich bleiben.

Fidel Teil 2 - ein seltenes Ereignis
Auf Empfehlung der Urheberrechtsinhaberinnen, der Nachfahren des Komponisten E. Kutschenreuter und F. J. Scherrer, wagte sich die Liedertafel Au 1995 an den Fidel - Teil 2 heran. Damit kam ein Singspiel in 3 Akten auf die Bühne, das Seltenheitswert hat. Die Regie der Liedertafel Au setzte die wunderschönen Melodien und den z. T. anfangs tragischen, im Verlauf des Stückes aber zum glücklichen Ausgang hinstrebenden Text richtig und farbig in Szene, so dass das Publikum am Ende entzückt war und die Leistungen der Liedertafel mit großem Beifall belohnte.

Der vierte Fidel zur 650 Jahr-Feier
Anläßlich der 650-Jahr-Feier der Markterhebung Au entschloss sich die Liedertafel, das große bayerische Singspiel “Der Holledauer Fidel” ein weiteres Mal aufzuführen. Damit knüpfen wir an die Tradition der erfolgreichen Aufführungen in den Jahren 1922, 1950, 1989 und Teil 2 1995 an. Der großartige Erfolg dieser “Bayerischen Operette” die die Zuschauer immer wieder zu Beifallsstürmen hinriss, ist für uns auch in Zukunft Ansporn und Verpflichtung.